„Ausgezeichnet! Die Kultur des Weiterbauens“ – selten trifft ein Titel so präzise den Geist eines Abends. So wurde das Motto zum Programm, als am 21. April 2026 im Deutschen Architektur Zentrum (DAZ) die Broschüre und die Wanderausstellung zum „Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025“ erstmals präsentiert wurden. Rund 120 Gäste aus Architektur und Stadtplanung, Politik und Gesellschaft folgten der Einladung zur traditionsreichen Veranstaltungsreihe „Stadtentwicklung und Baukultur.
Getragen wurde der Abend vom Ministerium für Infrastruktur und Digitales Sachsen-Anhalt, der Landesvertretung Sachsen-Anhalt beim Bund und von der Architektenkammer Sachsen-Anhalt – und von der spürbaren Überzeugung, dass Baukultur auch dann besonders lebendig wird, wenn man über sie im Gespräch ist.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Alexander Pötzsch, Präsident des Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA, Sven Haller, Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt und Siverin Arndt-Krüger, Vize-Präsidentin der Architektenkammer Sachsen-Anhalt. In ihren Grußworten hoben sie hervor, dass die Baukultur Sachsen-Anhalts stärker in die Öffentlichkeit getragen werden müsse – und dass gerade im Weiterbauen, im sensiblen Umgang mit dem Bestand, eine besondere Stärke des Landes liege. Mit dem prägnanten Satz „Der Umbau wird zur Regel – Umbau ist das neue Bauen“ brachte Alexander Pötzsch diese Haltung auf den Punkt.
Einen eindrücklichen Impuls setzte Dr. Christine Lemaitre, Jurymitglied des Architekturpreises und Geschäftsführender Vorstand der DGNB. Mit Blick auf die Herausforderungen nachhaltigen Planens und Bauens machte sie deutlich, dass es kein „Ja, aber“ mehr geben dürfe – gefragt seien konsequentes Handeln und ein klarer Gestaltungswille. Zugleich betonte sie, dass dabei die sozialen Themen des Bauens nicht aus dem Blick geraten dürfen: Architektur trage immer auch gesellschaftliche Verantwortung.
In der anschließenden Gesprächsrunde diskutierten unter anderem Sven Haller, Architekturhistorikerin Dr. Turit Fröbe, sowie Alf Furkert, Sächsischer Landeskonservator und Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, über die Perspektiven der Baukultur. Dabei wurde deutlich, dass Baukultur und Architektur immer auch eine politische Dimension besitzt. Insbesondere die nicht aus Sachsen-Anhalt stammenden Beteiligten zeigten sich beeindruckt vom Land, den Landschaften und dem spürbar nahbaren, offenen Miteinander während der Bereisung einiger ausgewählter Bewerbungen.
Ein besonderer Fokus lag auf dem Architekturpreisträger. Das prämierte „Theater im Alten Schlachthof“ in Naumburg wurde im Gespräch mit Architekt Peter Zirkel näher vorgestellt und als Beispiel für qualitätsvolles Weiterbauen gewürdigt. Aus einem lange leerstehenden Industriedenkmal entstand in kurzer Zeit ein neues Theaterhaus. Leitidee war dabei die konsequente Wiederverwendung des Bestandes.
Auch die Rolle der Bürgerschaft wurde hervorgehoben: Der Publikumspreis für das „Konzerthaus Liebfrauen“ in Wernigerode sowie die Auszeichnung für den „Spielplatz Ackerstraße und Nachbarschaftspark Gartenstraße“ in Dessau-Roßlau verdeutlichten, wie sehr Baukultur vom Engagement vor Ort lebt. Architektin Margrit Hottenrott, Dr. Kirsten Lott, Leiterin des Referats Stadtgrün der Stadtverwaltung Dessau-Roßlau, sowie Landschaftsarchitekt Christoph Därr berichteten über die Kraft der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern und die daraus entstehende Identifikation mit dem Stadtraum.
Durch den Abend führte die Journalistin Cornelia Heller, die die unterschiedlichen Perspektiven zusammenführte und den Dialog lebendig gestaltete.
Mit der Erstpräsentation in Berlin startet nun die Wanderausstellung, die in den kommenden Monaten weitere Stationen in Dessau-Roßlau, Hansestadt Stendal und Naumburg (Saale) erreichen wird und die ausgezeichneten Projekte einem breiten Publikum zugänglich macht.
Der Architekturpreis, der im dreijährigen Rhythmus vergeben wird, wurde bereits im November 2025 zum elften Mal verliehen. Seit über drei Jahrzehnten würdigt er herausragende Leistungen von Architektinnen und Architekten sowie engagierten Bauherrinnen und Bauherren und steht exemplarisch für die hohe Qualität der Baukultur in Sachsen-Anhalt.
IMPRESSIONEN:
Fotos: Matthias Sasse























































































