Land und Leute im Wandel

Siverin Arndt-Krüger, Architektin, Vorstand der Architektenkammer Sachsen-Anhalt

Roland Halbe

Radikal sensibel: das„Kunstmuseum Moritzburg“ (Nieto Sobejano Arquitectos, Madrid). Für Siverin Arndt-Krüger steht das Bauwerk identitätsstiftend für eine moderne, traditionsreiche europäische Stadt. Die skulpturale Dachlandschaft leuchtet über den alten Bruchsteinfassaden, die nahezu unverändert geblieben sind. Trotz radikaler Veränderungen wurde der rund 500-jährigen Geschichte des Bauwerks großer Respekt gezollt. Siverin Arndt-Krüger gehörte zum Projektteam, enge Freundschaften sind entstanden und beeinflussten ihren Weg als Architektin

Von einer „Generation der Unberatenen“ spricht der Leipziger Soziologe und Jugendforscher Bernd Lindner. Ich gehöre wohl dazu. Meine Generation verbrachte ihre Kindheit in der DDR. In der Nachwendezeit, in einer Zeit der Neufindung, wurde ich erwachsen. Während meine Elterngeneration die Wucht des Umbruches schwer verarbeiten musste, war ich herausgefordert und frei, mir meinen Weg allein zu suchen.

Mir eröffnete sich plötzlich eine Welt vielfältiger Möglichkeiten. Krisen und Veränderungen können auch neue Identitäten stiften. Vielleicht liegt es daran: Ich sehe weder meinen Berufsstand noch ein politisches System als manifestiert an. Dieses Bewusstsein gibt mir das Grundvertrauen, neue Wege zu gehen und intuitiv Chancen zu ergreifen.

Rückblickend bin ich meiner Vergangenheit, der alten Heimat entflohen, um sie andernorts wiederzufinden. Gerade deshalb bin ich letztlich in meine schöne Heimatstadt Halle (Saale) zurückgekehrt und weiß die Lebensqualität unserer Region zu schätzen. Vielen Menschen in Sachsen-Anhalt, insbesondere meiner Generation, sind Emanzipation und Eigenverantwortung wichtig. Die Möglichkeit, dabei gemeinsam die Zukunft hier gestalten zu können, empfinde ich als Privileg.

Siverin Arndt-Krüger, Architektin, Vorstand der Architektenkammer Sachsen-Anhalt
Foto: Nancy Glor