Empfangsgebäude Bahnhof Bitterfeld, Bitterfeld-Wolfen
Fotos: Philipp Ockert
Ein neues Eingangstor zur Stadt! Die täglich rund 7.000 Fahrgäste des Bahnhofs Bitterfeld können sich über ein neues, architektonisch spannendes Empfangsgebäude freuen. Ein ganzes Paket guter Ideen wurde hier umgesetzt. Es schließt das klimagerechte und nachhaltige Bauen ausdrücklich ein: mit Gründach, Photovoltaik und Fernwärme. Der Neubau ist das erste abgeschlossene Bahn-Projekt, das mit Mitteln aus dem Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) finanziert wurde. Es gehört laut DB zu den „nachhaltigsten und innovativsten Empfangsgebäuden in Deutschland“. 160 Jahre hatte das alte Haus auf dem Buckel und war aufgrund massiver baulicher Schäden nicht mehr sanierungsfähig. Mit dem Neubau eröffnete sich die Chance auf eine für alle sichtbar gute „Investition in die Mobilität der Zukunft“ – in einer Region, die mitten im vielzitierten Strukturwandel steckt, in einer Stadt, die Signale für Aufbruch bitter nötig hat.
Und das Zeichen sitzt! Zur Innenstadt öffnet sich das Haus mit einem spacig herausgezogenen Vordach, das eine ins Gebäude eingeschnittene, vollverglaste Eingangssituation schützend überspannt. Inspiriert von dem Schwarz der Kohle der Region und dem Bitterfelder Bernstein hat man die Farben Schwarz und Goldgelb für die Fassade aus recyceltem Aluminium gewählt. 95 Prozent der CO2-Emissionen wurden, so die Angaben der Architekten, bei der Herstellung eingespart. Helles Licht fällt durch die großen Glasfronten mit Vogelschutzverglasung sowie durch die Oberlichter der Wartehalle. Die erinnert mit ihren modern-geschwungenen Holzlamellenbänken eher an eine Hotellobby und versüßt mit dem besten Blick auf Stadt und Verkehr die Zeit auf Ankünfte oder Abfahrten. Das neue Haus fasst zudem das Reisezentrum sowie die Läden für den Reisebedarf, zuverlässig geöffnete und barrierefreie Sanitäranlagen, Räume für die Bahnhofsmission, die Bundespolizei und die ansässigen Verkehrsunternehmen, dazu Schließfächer, Geld- und Ticketautomaten – und rückwärtig: die Parkbox für rund 100 Fahrräder. Das alles: ein Meilenstein für den Bahnknotenpunkt, für den noch immer gilt: „Seh’n wir uns nicht in dieser Welt, dann seh’n wir uns in Bitterfeld.“ Auf dem Bahnhof!
Text: Cornelia Heller, 2026
Standort
Bahnhofstraße 31, Bitterfeld-Wolfen - Öffnen mit Google Maps
Bauherr/in
DB InfraGO AG, Halle (Saale)
Architekten
Objektentwicklung & Planung, I.ISO 5 Stephan Böhning/Heiner Hühnerbein DB InfraGO/Architektur, Berlin
Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025, Engere Wahl
Fertigstellung
2025