Fachwerkhaus, Sanierung und Erweiterung, Welterbestadt Quedlinburg
Fotos: Anselm Schwindack
Bauen an sich, so schreiben es die Architekten, ist nicht nachhaltig und stellt immer einen Kompromiss dar. Aber man kann ressourcenschonend bauen, vorhandene historische Bausubstanz sowie Altbaustoffe nutzen. Wie in diesem Fall: einem gut 350 Jahre alten Ackerbürgerhaus in der historischen Quedlinburger Neustadt mit postkartenschönem kleinem Vorplatz an der verspringenden Straßenflucht.
Das zweigeschossige Fachwerkhaus hat eine lange Baugeschichte. Immer wieder war um- und angebaut worden, wurde Vorhandenes umgenutzt. Wie etwa das Hintergebäude, das – untypisch für Quedlinburg – nicht als Flügelbau angefügt worden war. Anfang des 20. Jahrhunderts, Wohnraum war knapp, wurde es zum Wohnhaus, ehe es hundert Jahre später abbrannte. Vor allem diese Geschichte ermöglichte den jungen Bauherren jetzt das Errichten eines rückwärtigen Anbaus. Denn Raum wurde auch jetzt gebraucht für die junge Familie und ihren Traum vom Wohnen im historischen Haus.
Und das feiert seine Wiedergeburt in einem gelungenen Zusammenspiel von Alt und Neu, sind Holz und Lehm die Stars in der konsequenten, nachhaltigen Materialverwendung bei Sanierung, Ergänzung und neuer Hinzufügung, etwa für den Fußboden im Eingangsbereich, für Fenster oder Dachziegel, wurden historische Lehmsteine und Ziegel sorgsam geborgen und im Bestand nach Erfordernis verwendet. Und überhaupt nur wohngesunde Baustoffe gewählt, die bei der Herstellung, Verarbeitung oder einem späteren Rückbau nur eine geringe Umweltbelastung verursachen. Entstanden ist ein Heim, das beides bietet: kleine behagliche Räume im denkmalgeschützten, behutsam sanierten Vorderhaus und großzügige, lichtdurchflutete im neuen, in Holzständerbauweise mit Zellulosedämmung errichteten, holzverschalten Anbau mit Gründach. Eine umweltfreundliche Luft-Wasser-Wärmepumpe sorgt für beständige Wärme, der Römerofen für ein Mehr an frostigen Tagen. An Wärmerückgewinnung von Duschabwasser ist ebenso gedacht wie an eine Regenwasserzisterne für die Gartenbewässerung. Das ganze Projekt ist eine Hommage an die hohe Kunst des ressourcenschonenden Um- und Neubauens. Im Einklang mit und dem Respekt vor der Natur.
Text: Cornelia Heller, 2026
Standort
Reichenstraße 15, Welterbestadt Quedlinburg - Öffnen mit Google Maps
Bauherr/in
Anne und Sebastian Piechulik, Welterbestadt Quedlinburg
Architekten
Architekturbüro QuArK Quedlinburger Architektur Konzepte, Welterbestadt Quedlinburg
Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025, Auszeichnung
Fertigstellung
2022