Spielplatz Ackerstraße und Nachbarschaftspark Gartenstraße, Dessau-Roßlau
Fotos: DÄRR Landschaftsarchitekten
„Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns erkennen lassen, was wir eigentlich schon haben.“ So beginnt die Beschreibung der Landschaftsarchitekten für ihr Projekt im Dessauer Quartier „Am Leipziger Tor“. Es offenbart einen neuen, einen wegweisenden Ansatz für den Umgang mit städtebaulich und sozial schwierigen Situationen in Platten-Rückbaugebieten. Denn: Im Zusammenhang von Abriss und Aufwertung wurde ein Landschaftsraum abseits der üblichen Herangehensweisen zu einem neuen Lebensraum. Kinder, Jugendliche, Erwachsene waren in ein engmaschiges partizipatives Verfahren mit Stadtverwaltung, Landschaftsarchitekten und städtischen Akteuren eingebunden. Von echter Teilhabe, von Selbstwirksamkeit erfährt man hier, und von einer Landschaftsgestaltung, die der Natur die Möglichkeit gibt, sich Räume zurückzuerobern.
Was da wächst, ist heimisch auf Feld und Flur, wächst tapfer und hoffnungsvoll aus aufgebrochenem Beton, nimmt in Besitz und schafft einen grünen Raum mitten in der Stadt. Sparsam zwischen Gehölzen und trockenheitsresistenten Staudenmischpflanzungen sind neue und vielfältige Elemente eingeflochten worden: für Aktivität und Spiel, für Treffen, Sitzen, Schwatzen, für Ruhe und Miteinander, zum Entdecken und Necken … Es ist der gebaute Wunsch derer, die hier zuhause sind, Ergebnis eines gemeinsam gesucht-gefundenen Einverständnisses von Planenden und Nutzenden.
Vor der politischen Wende 1989/90 war die Gartenstraße ein unauffällig normales Wohngebiet. Dann die Zäsur mit Arbeitslosigkeit, Wegzug und Leerstand. 2005 der städtische Entschluss zum Abriss. Der Plan für die perforierte Stadt: Stabile Wohnviertel als „urbane Kerne“ stärken, vakante Gebiete nach Abriss zu „landschaftlichen Zonen“ entwickeln. In Summe: „Das Gartenreich zieht ein!“ So auch in die Gartenstraße. Der Name wurde zum Programm, war Teil des Bundesforschungsfeldes „Städte wagen Wildnis – Vielfalt erleben“ und setzte einen ersten Pflock für das Verständnis um naturnahe Bepflanzung. Genau hier hakten die Landschaftsarchitekten mit ihrem Projekt ein und gewannen: Akzeptanz, Begegnung und Bewegung. Und schafften Gemeinschaft aller allen Alters inmitten neu entdeckter Schönheit. Genau so war die Idee der „landschaftlichen Zonen“ zwischen den „urbanen Kernen“ von Anbeginn gemeint.
Text: Cornelia Heller, 2026
Standort
Ackerstraße, Gartenstraße, Dessau-Roßlau - Öffnen mit Google Maps
Bauherr/in
Stadt Dessau-Roßlau
Architekten
DÄRR LANDSCHAFTSARCHITEKTEN, Halle (Saale)
Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025, Auszeichnung; Architekturpreis der Bauhausstadt Dessau 2025
Fertigstellung
2024