Weinbergshaus Wiegel, Restaurierung, Naumburg (Saale)
Fotos: Bernd Körsten
Bewahrtes Schmuckstück. Das verwitterte kleine Weinbergshaus in bester Südhanglage im Saaletal zwischen Bad Kösen und Naumburg (Saale) gelegen, es leuchtet wieder: in hellem Fassadenrot und grünen Fensterläden. Gelebter Schutz des Denkmals, der respektvolle Umgang mit dem Bestand, die Hingabe der Architekten und die Fachkunde der lokalen Handwerksbetriebe haben das geleistet. Gegenüber liegt wie einst das Kloster Schulpforta (heute renommierte Landesschule), als dessen Bestandteil das Weinbergshaus erstmals 1710 erwähnt wurde und, so der Ansatz, „auf der Grundlage der ältesten überlieferten Fassung sowie durchgeführten Befunduntersuchungen wiederhergestellt“ werden und sein „Raumkonzept sich konsequent an der traditionellen Nutzung orientieren“ sollte.
Ein Weinbergshaus kann Schutzhütte, Lagerraum, Geräte- oder Gartenhaus, aber auch gern – in dieser Lage und im Heute – ein Freizeitidyll für die Familie sein. Fußläufig über eine historische Treppenanlage vom Tal hinauf erreichbar thront oben das Haus in alter neuer Schönheit auf seinem sanierten Natursteinsockel. Rund 80 Zentimetern dick sind dessen Wände, innerhalb derer der Verkostungsraum liegt, dahinter der anno dazumal „von Hand gegrabene“ Weinkeller. Das darüberliegende Geschoss, von der Nordseite her erreichbar, ist ein traditioneller Fachwerkbau mit wiederhergestellter Wetterschale: aus vertikal verbauten Fassadenbrettern mit Fugenleisten. In diesem „Oberstock“ findet sich die „gute Stube“ samt funktionaler Miniküche sowie eine über eine Leitertreppe erreichbare kleine feine Schlafkammer im Spitzboden.
Viele Details, von der Türklinke bis zu den Fensterbeschlägen, sind liebevoll erhalten und herausgeputzt und Zeugen für den Respekt vor Material und Bestand. So sind geborgene Hölzer und Bretter der Fassadenschalung für die Innenausstattung wiederverwendet, Ziegel für die Dacheindeckung aus rückgebautem Abbruchmaterial gewonnen und ist nicht zuletzt das historische Toilettenhäuschen instandgesetzt. Mit Blühstreifen und traditionellen Rebflächen rundum verbindet sich am Wiegelschen Weinbergshaus wieder naturnahe Gestaltung mit dem Erhalt kultureller Landschaftselemente. In all dem ist das Kleine ganz groß.
Text: Cornelia Heller, 2026
Standort
Weinberge 37a, Naumburg (Saale) - Öffnen mit Google Maps
Bauherr/in
Petra Wiegel, Naumburg (Saale)
Architekten
TRÄNKNER ARCHITEKTEN, Naumburg (Saale)
Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025, Engere Wahl; Architekturpreis Wein 2025, Auszeichnung
Fertigstellung
2024