Theater im Alten Schlachthof, Umbau und Sanierung, Naumburg (Saale)
Fotos: Steffen Spitzner
Das Wunder von Naumburg. Mit einer zweckgebundenen privaten Millionenspende sowie Förderung von Landkreis, Land und Bund konnte nach kaum drei Jahren Bauzeit ein lang leerstehendes Industriedenkmal in Naumburg zu einem neuen Theaterhaus werden. Und das ist die Geschichte: Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble des ehemaligen städtischen Schlachthofs, im Ursprung 1891 errichtet und seither mehrfach ergänzt und umgebaut, war in den vergangenen 20 Jahren zunehmend verfallen. Die alten Hallen zwischen Bahnhof und Altstadt rückten aber wieder in den Fokus, als für das „kleinste Stadttheater Deutschlands“ unkompliziert, zeitnah und kostengünstig ein neuer Standort gefunden werden musste. Die Prämissen bei der Suche unter städtischen Immobilien: Wiederverwendung, Wiedernutzung und Sparsamkeit, kulminierend in der verwegenen Frage: Wie wenig braucht ein Theater?
Der alte Schlachthof zeigte sich wie geschaffen für seine neue Aufgabe, auf der die ebenso einfache wie geniale Entwurfsidee fußte: den Bestand bescheiden, aber präzis ergänzen und dennoch Raumverknüpfung und -abtrennung meistern. So ist ein ursprünglicher Innenhof minimalinvasiv umgewandelt zum repräsentativen Haupteingang und Foyer. Der Clou: eine spiegelnde Ganzglasfassade mit Dreifacheffekt: Sie lässt das Außen hinein, holt am Tag das Gegenüber auf die Fassade und präsentiert abends beleuchtet das Leben im Haus. Die eigentliche Theaternutzung ist im zentralen, einem H-förmigen Gebäude untergebracht: im südlichen Flügel der Saal mit 110 Plätzen, im nördlichen das Café mit den Garderoben. Publikums- und Backstagebereich trennt ein Flur, entlang dem sich Werkstatt, Studiobühne und Kulissenlager reihen. Platz für Schauspielgarderoben, Regie und Technikzentrale fand sich im Obergeschoss.
Das Haus lebt eine Botschaft: Umnutzung ist mit geringen baulichen Interventionen möglich! So blieb der Charakter des gründerzeitlichen Zweckbaus mit seinem leuchtenden Ziegelrot samt weiß geputzter Flächen gewahrt, durften auch Schornstein und Kühlturm bleiben. Letzterer trägt heute stolz das Theatermaskottchen, mit Augenzwinkern gestaltet vom halleschen Künstler Moritz Götze: ein „porcus theatralis“, das Theaterschwein. Bringt Glück.
Text: Cornelia Heller, 2026
Standort
Markgrafenweg 44, Naumburg (Saale) - Öffnen mit Google Maps
Bauherr/in
Stadt Naumburg (Saale)
Architekten
Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH, Dresden
Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025; STADTUMBAU AWARD Sachsen-Anhalt 2025
Fertigstellung
2025