Steffen Spitzner

Stadthaus, Lutherstadt Wittenberg

Manchmal will es der Zufall, dass sich Pläne ändern. Dafür, dass sich heute am Arsenalplatz ein Zentraler Besucherempfang mit Stadthaus, Stadtinformation, Historischer Stadtinformation und das Ratsarchiv befindet, ist dem unverhofften archäologischen Sensationsfund der herrschaftlichen Grablege eines Kurfürsten im Jahr 2009 geschuldet: Rudolf II. In den Resten des Kirchenschiffs der früheren Klosterkirche fand man dessen Gebeine samt seinem Schwert und Siegel, daneben Gattin und Tochter. Sich dieser Seite der Stadtgeschichte – der vorreformatorischen nämlich – als kurfürstliche Residenz neben dem Touristenmagneten Luther zu erinnern, begriff die Lutherstadt als Chance für ihre weitere Stadtentwicklung. Sie baute an der Nordseite des Quartiers ein „Stadthaus“ als Veranstaltungs-, Konferenz- und Konzertsaal und ließ ergänzend auf den historischen Raumkanten des Klosters eine mehrgliedrige Anlage mit den vier genannten Bausteinen eines Zentralen Besucherempfangs entstehen. Das Stadthaus erhielt ein unverwechselbar gefaltetes Dach, das sich mit Sheds der kleinteiligen Nachbarbebauung chamäleonartig anpasst. Darunter verbirgt sich der moderne Saal mit bis zu 600 Plätzen. Außen prägt schlichter Sichtbeton die Fassaden, den Hof ein die Gebäudeteile verbindender, lichtdurchfluteter verglaster Wandelgang. Neben der „Zentralen Stadtinformation“ als erster Anlaufstelle für Touristen findet sich im restaurierten alten Hospital auch das „Ratsarchiv“, eines der ältesten zusammenhängenden Archive in Mitteldeutschland.

Standort
Mauerstraße 18, Lutherstadt Wittenberg – Öffnen mit Google Maps

Bauherr/in: SALEG Sachsen-Anhaltinische Landesentwicklungsgesellschaft mbH, Magdeburg (als Treuhänder der Lutherstadt Wittenberg)

Architekten: Entwurf: Prof. Ralf Niebergall, Magdeburg; Ausführungsplanung: bc Architekten + Ingenieure GmbH, Lutherstadt Wittenberg

Fertigstellung: 2014

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