Foto: Steffen Spitzner

Kino Central, Lutherstadt Wittenberg

Es waren die Goldenen Zwanziger Jahre, in denen man in Lichtspiel-Palästen den Film als neues Medium feierte. Ein bedeutender Architekt jener Zeit ist der Erfurter Carl Fugmann, der auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt zwischen 1928 bis 1937 in Weißenfels, Zeitz, Aschersleben und zuletzt in Wittenberg großartige Kinohäuser baute. In der Lutherstadt entstand 1937 nordöstlich der Altstadt in einem stadterweiternden Wohngebiet aus der vorletzten Jahrtausendwende das Großfilmtheater „Central“ auf der Ecke einer Straßenkreuzung. Hatte Fugmann in den anderen Städten mit Bauten im Stil des Expressionismus oder der Neuen Sachlichkeit bereits avantgardistische Maßstäbe im Kinobau gesetzt, wurde hier wohl unter dem Einfluss der Nationalsozialisten stehend ein unauffällig-massiges hell verputztes Haus mit Walmdach und Rundfenster gebaut. Es folgt dem Stil der Heimatschutzarchitektur, dennoch ist auf der Gebäudeecke – und das mag Fugmanns ureigene Intervention gewesen sein – ein modern-runder, eingeschossiger und flachgedeckter Eingangsbau in rotem Porphyr angefügt. Dabei bilden Pfeiler einer umlaufend offenen Pergola vor dem eigentlichen Foyer einen starken Blickfang, der Schutz vor Regen und Wind beim Lesen der Programmaushänge und der obligatorischen Zigarette vor Veranstaltungsbeginn bot. Das Haus überstand weitgehend unbeschadet die Zeitläufte. In den 1990er-Jahren übernahm die UFA-Theater AG das Kino, die den großen Saal in vier kleine Vorführräume teilte. Seit 2010 wird das „Central“ privat betrieben. Das spannende Oeuvre des Ausnahme-Architekten Carl Fugmann harrt noch immer einer wissenschaftlichen Aufarbeitung.

Standort
Sternstraße 12-13, Lutherstadt Wittenberg – Öffnen mit Google Maps

Architekten: Carl Fugmann

Fertigstellung: 1937

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