Text und Visualisierungen: gmp; Foto: Petra Heise

Stadthalle und Hyparschale, Umbau und Sanierung, Magdeburg

Das „Leben an und mit der Elbe“ – im Rahmen der IBA Stadtumbau 2010 wiederbelebt – ist für Magdeburg jahrhundertealter Alltag. In ihm spielte die Rotehorninsel von je eine wichtige Rolle. Hier hat sich die Landeshauptstadt einer „großen“ Aufgabe angenommen. Zwei bedeutende Baudenkmale des 20. Jahrhunderts werden saniert: die Magdeburger Stadthalle von 1927 und die Hyparschale von 1969. Im Rahmen der Landesinitiative Architektur und Baukultur in Sachsen-Anhalt wird in den kommenden Monaten dieser Prozess digital begleitet werden. Startschuss ist die Aufnahme in das Programm des „Tages der Architektur“ mit einem Ausblick auf das Ergebnis, geplanter Zieleinlauf: 2022.

Die Stadthalle Magdeburg wurde 1927 als städtisches Veranstaltungs- und Mehrzweckgebäude nach Plänen des Stadtbaurates Johannes Göderitz innerhalb von nur vier Monaten errichtet. Der expressive Backsteinbau ist ein bedeutendes Baudenkmal, das aber nur noch in seiner äußeren Gestalt auf den Ursprungsbau zurückgeht. Nach verheerenden Kriegsschäden wurde die Stadthalle zwischen 1957 und 1966 schrittweise wieder aufgebaut und ist seitdem ein Hauptveranstaltungsort der Landeshauptstadt Magdeburg. Das Gebäude wurde seither nicht mehr grundlegend instand gesetzt und nur durch partielle Anbauten verändert. Neben der Sanierung und denkmalgerechten Wiederherstellung der Fassaden geht es bei der Beauftragung vor allem um eine Optimierung der Nutzung: Die Bühne wird vom Süden in den Norden verlegt und somit ein zusätzlicher Multifunktionsbereich geschaffen. Im Rahmen der Umplanung sollen die Anbauten aus der DDR-Zeit abgerissen und der Baukörper im Sinne des Altbaus ergänzt werden. Im Inneren werden sämtliche Nutzungsbereiche umgestaltet, neu verortet und modernisiert.

Die 1969 erbaute Hyparschale am östlichen Magdeburger Elbufer gehört zu den rund fünfzig noch erhaltenen Schalenbauten von Ulrich Müther. Nach über 20 Jahren Leerstand beginnt jetzt die denkmalgerechte Sanierung nach dem Entwurf von gmp. Neben der Wiederbelebung als Veranstaltungs- und Ausstellungsort steht hierbei die Instandsetzung des Betonschalendaches im Mittelpunkt, wodurch die stützenfrei konstruierte Halle in ihrer räumlichen Wirkung wieder erlebbar wird.
Der Entwurf von gmp für den Schalenbau soll die seit 1997 ungenutzte und stark verfallene Mehrzweckhalle als multifunktionalen Veranstaltungs- und Ausstellungsort wiederbeleben. Neben der Stärkung des Ensembles aus Hyparschale und Stadthalle steht dabei die innenräumliche Wirkung des Schalendachs im Mittelpunkt. Müther konstruierte die Betonschale aus vier hyperbolischen Paraboloiden. Die regelmäßig doppelt gekrümmten Dachflächen überspannen eine Fläche von 48 x 48 Metern und ermöglichen die komplett stützenfreie Halle. Im Rahmen der Sanierung wird die Tragfähigkeit des Daches wiederhergestellt und durch den Einsatz von Carbonbeton sogar erhöht.
Zudem werden die über Kreuz zwischen den Schalen verlaufenden Oberlichter wieder geöffnet. Die Lichtbänder betonen die Schalenform und bieten eine optimale Belichtung für das Zentrum der Halle: Neu eingefügte Galerieebenen und begehbare Brücken machen den offenen Raum mit seinem geschwungenen Dach vielfältig nutz- und erlebbar. Stahlkonstruktionen und Fassaden im Innenraum knüpfen konstruktiv und gestalterisch an die ursprünglich industriell geprägte, vertikal betonte Außenfassade aus Stahl und Glas an. Hier ersetzt eine transparente Glasfassade die bisherige transluzente Industrieverglasung, wobei die originale Fassadenkonstruktion erhalten bleibt.

Standort
Heinrich-Heine-Weg, Magdeburg – Öffnen mit Google Maps

Bauherr/in
Landeshauptstadt Magdeburg, Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement, Magdeburg

Architekten
gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Berlin

Fertigstellung
im Bau

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