Roland Halbe, Petra Heise

Universitätsbibliothek der Otto-von-Guericke-Universität (Gebäude 30), Magdeburg

Die Universitätsbibliothek für 1,1 Millionen Bücher – davon 80 %%im Freihandbereich – befindet sich gegenüber dem vorherigen, zu klein gewordenen Bibliotheksgebäude und geht auf einen 1998 ausgelobten Wettbewerb zurück. Ihre markante Gebäudeform entwickelt sich aus der Faltung eines zusammenhängenden Bandes von unterschiedlich großen Boden- und Deckenflächen. Der daraus resultierende polygonale Gebäudezuschnitt ist als eine Reminiszenz an die gründerzeitliche, im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadtstruktur gedacht. Mit seiner Westseite nimmt der Bibliotheksneubau die historische Bauflucht entlang der Ludolfstraße auf, die damals zu einem sternförmigen Platz führte. Die aus der Faltung entstehenden unterschiedlichen Gebäudehöhen sollen eine städtische Atmosphäre simulieren. Auf der Campusseite bildet der Baukörper zusammen mit der Mensa einen Platz, an dem sich der Haupteingang der Bibliothek befindet. Hier beginnt das Betonband und führt über das offene Foyer mit Ausstellungsflächen und Cafeteria zur Haupttreppe des glasgedeckten Atriums, das vielfältige Blickbeziehungen im Inneren ermöglicht und somit zum zentralen Treffpunkt der Bibliothek wird. Geneigte Betonflächen, auf denen Lederkissen ausgelegt sind, machen das Band zu beiden Seiten der Treppe erlebbar. Im Gegensatz zur großzügigen Haupttreppe, die zur ersten Ebene führt, werden alle weiteren Plateaus über schmale Holztreppen mit geschlossenen Brüstungen, die wie Stege erscheinen, untereinander verbunden. Zugunsten der klar ablesbaren Großform wird die Bibliothek im Inneren ausschließlich durch leichte Holzeinbauten gegliedert. Diese können wie im Fall der drei rot-braunen Kerne mit Aufzügen, Fluchttreppenhäuser sowie Installationen, oder des Leseregals mit geschützten Gruppen- und Einzelarbeitszellen als geschlossener Raum erscheinen, aber auch in Form von Möbeln, wie die Bücherregale und Arbeitstische der einzelnen Ebenen oder die Schließfächer im Sockelbereich frei hineingestellt sein. Jedem der insgesamt acht Fachbereiche wurde eine Farbe zugeordnet, die sich in den Akustiksegeln über den Informationstresen wiederfindet. Die 60 Mitarbeiterbüros wurden in einem Sockel auf der Ostseite des Gebäudes über zwei Ebenen angeordnet, zu deren Belichtung das Bodenniveau abgesenkt werden musste. Im Bereich der Lesezonen wurden drehbare Großlamellen aus Acrylglas vertikal vor die eigentliche Verglasung gesetzt. Ein weiteres bemerkenswertes Materialdetail ist der weiße Elbsand aus der Umgebung Magdeburgs, der als Zuschlagstoff der hellen Betonflächen verwendet wurde. In einem zweiten Bauabschnitt kann das Band fortgesetzt und die Bibliothek auf der Ostseite um eine fünfte Ebene erweitert werden.

Standort
Universitätsplatz 2, Magdeburg

Bauherr/in
Land Sachsen-Anhalt

Architekten
Auer+Weber+Architekten, Stuttgart

Fertigstellung
2003

Sammlungen

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