Hyparschale, Umbau und Sanierung, Magdeburg
Fotos: Marcus Bredt
Dokumentation „Moderne neu gedacht“ auf YouTube [LINK]
Auf der Magdeburger Rotehorninsel stehen elbbegleitend zwei Ikonen der Moderne: seit 1927 die Stadthalle von Johannes Göderitz, daneben seit 1969 die Hyparschale von Ulrich Müther, eine frühere Messehalle. Vier hyperbolische Paraboloide überspannen hier stützenfrei die quadratische 48 x 48 Meter Grundfläche, mittig gefasst von einem einst mit Glasbausteinen ausgefachtem Oberlicht. Ab 1997 ungenutzt, verfiel der Bau und sollte abgerissen werden. Ihn jedoch im baukulturell und städtebaulich wertvollen Ensemble nicht zu verlieren und zugleich als multifunktionalen Veranstaltungs- und Ausstellungsort hinzuzugewinnen, war nach Protesten von Bürgern und Fachleuten schließlich Anlass für den Erhalt sowie Sanierung und Umbau. Die zwei zentralen Herausforderungen: den einzigartigen Eindruck von Hellig- und Schwerelosigkeit des seit 1998 unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks wiederherzustellen und es zugleich vielfältig nutzbar und damit zukunftsfähig zu gestalten.
Der Coup gelang – als eine „Neuerfindung im Sinne des Erfinders“ – mit zwei Kunstgriffen. Der erste: der Einsatz der Carbonbeton-Technologie mit einem speziell entwickelten Verfahren, genehmigt für den Einzelfall. Damit konnten die Dachproportionen gewahrt und die ursprüngliche Schalendicke von sieben Zentimetern eingehalten werden. Zugleich erhöhte sich die Tragfähigkeit der originalen Konstruktion auf das Anderthalbfache – und das bei Korrosionsbeständigkeit!
Der zweite Kunstgriff: ein Rückgriff auf Müthers quadratisches Grundsystem. Für ein Mehr an Flexibilität und Bespielbarkeit sind vier 15 x 15 Meter große weiße Kuben in die Hallenecken gestellt. Sie fassen ein offenes Quadrat in der Mitte: den Veranstaltungssaal unter dem wieder geöffneten Lichtstern. Die zum Schallschutz mit weißen Metallelementen verkleideten Kuben stehen separat oder mit dem Saal zusammengeschaltet für Events jeder Art zur Verfügung. Auf den Kuben: begehbare Galerieebenen, verbunden mit in wiederum Weiß gehaltenen Brücken, in denen die Technik steckt. Die Ebenen laden zu Begegnung und Austausch, die Stege zum Flanieren und staunendem Schauen: hinab in die helle Halle oder hinauf zu den sanft gebogenen, schönen Dachschalen. Gerettete Baukultur zum Anfassen. Müthers Mythos lebt.
Text: Cornelia Heller, 2026
Standort
Kleiner Stadtmarsch 7, Magdeburg - Öffnen mit Google Maps
Bauherr/in
Landeshauptstadt Magdeburg, Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement, Magdeburg
Architekten
gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner, Berlin
Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025, Auszeichnung
Fertigstellung
2024