Text: Cornelia Heller; Fotos: Architekturbüro Dr. Mertens, Steffen Spitzner

Mühleninsel, Merseburg

Wohnen – Arbeiten – Wasserkraft – Sport

Schon Caspar Merian wählte 1690 das alte Meuschau als Bühne für seinen historischen Stich Merseburgs. Später klapperte auf der lauschigen Insel im Strom eine Getreidemühle, zuletzt die des VEB Mühlenwerke Merseburg. Mit der Stilllegung 1992 verfiel das Gelände vis-a-vis des Dombergs zur Brache – besseren Zeiten harrend. Mehr zufällig als geplant geriet das Ensemble während eines Workshops der IBA Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 zum Gegenstand der Betrachtung: Gern wollte zu jener Zeit die Stadt eine Entwicklung anschieben, als just der private Investor Helmut Soller auf den Plan trat. Seine Idee: hier ein Wasserkraftwerk zu errichten. Das sollte der Beginn einer beispielhaften, teils von Land, Bund und EU geförderten Revitalisierungsgeschichte werden. Mit dem Konzept Wohnen – Arbeiten– Wasserkraft – Sport glückte dem Bayern ein durchaus waghalsiger Husarenstreich. Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung: das Wasser. Um seine Kraft für das ambitionierte Energiekonzept nutzen zu können, wurde zunächst ein verschütteter Mühlgraben freigelegt. In seinem Verlauf entstand der Neubau des Wasserkraftwerkes. Es ist das ideelle und technische Herzstück der Mühleninsel. Nach und nach wurden alle denkmalgeschützten Gebäude saniert, verfallene und nicht mehr nutzbare Nebengelasse abgerissen. Das Mühlengebäude, zwei ehemalige landwirtschaftliche Domänengebäude und die ehemalige Unternehmervilla bilden heute ein aufgeräumtes – und energieautarkes– geschlossenes Ganzes in einem kreativen Mix von Wohnen und Gewerbe. Man findet hier Sportverein, Eventagentur, Praxen und Pension, im Unterlauf des Mühlgrabens zudem Wassersportanlagen für den erfolgreichen Merseburger Kanuverein. Und sogar an die Fische ist gedacht: eine Fischtreppe führt sie an der Wasserkraftanlage sicher vorbei. Längst ist die wiederbelebte Insel ins Bewusstsein der Merseburger und ihrer Besucher zurückgekehrt. Die Jury würdigt mit der Nominierung das Engagement des privaten Bauherrn wie das aller Beteiligten bei der Rettung einer aus der Geschichte gewachsenen, einmaligen städtebaulichen Situation mit einem hervorragenden, in vielfacher Hinsicht beispielhaften Projekt. Die besseren Zeiten – sie sind für die Mühleninsel angebrochen.

Standort
Meuschauer Straße 10-14, Merseburg – Öffnen mit Google Maps

Bauherr/in
Helmut Soller, Ilmendorf

Architekten
Architekturbüro Dr. Mertens Architekt BDA, Bad Dürrenberg

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2016, Engere Wahl

Fertigstellung
2013 -2015

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