Text: Cornelia Heller; Fotos: Steinblock Architekten

Internationales Gymnasium „Pierre Trudeau“, Barleben

Die Metamorphose des Gebäudes spiegelt sich in seinen Nutzungen: erbaut 1863 als Zuckerfabrik, später Kakao- und Schokoladenwerk, dann volkseigener Betrieb und später Elektromotorenbau und jetzt: Internationales Gymnasium. Bewusst hat sich der Schulträger, die Ecole Stiftung, ein historisches Industriegelände für einen anspruchsvollen, kreativen Bildungsstandort zukünftiger Weltbürger gewählt, der seine Identität als Lernlabor im Spannungsverhältnis zwischen Industrieromantik und Ästhetik der digitalen Moderne finden sollte. Mit dem Um- und Ausbau des alten Fabrikbaus nah des Bahnhofs in Barleben ist das gelungen. Fast klingen klassizistische Motive an: Einer Tempelfront samt ihrem typischen Dreiecksgiebel gleich öffnen die vier hohen, erhaltenen Rundbogentore des Ursprungsbaus das heutige Gymnasium. Zwei sanierte und umgebaute Gebäudeflügel ergänzen dieses markante Haus zu einem Ensemble mit weitem Vorplatz, der gleichsam als Empfangs-, Schul- und Treffpunkt gestaltet worden ist. Im Innern wird die Dimension ursprünglicher Räume wieder sichtbar, pragmatisch war dabei die Vorgehensweise: Nur Bereiche von gestalterisch hoher Qualität und historischem Wert wie die Kranbahnhalle konnten aus Kostengründen erhalten und saniert werden… Ersatzneubauten in der Dimension der ursprünglichen Industrieanlage hat man eingefügt. So reiben sich allenthalben rohe Oberflächen und technische Fragmente der alten Hülle an neuen, exakten Kubaturen und Materialien klar ablesbarer Neu- und Einbauten mit aktuellem Schall- und Wärmeschutz. Eine zentrale Wegeachse teilt Servicebereiche und Klassenflure, ein in sich geschlossener Rundgang verbindet dabei in beiden Geschossen Klassentrakte, im ersten Obergeschoss ist dafür eine gläserne Brücke eingebaut. Überall gibt Farbe Orientierung, verblüfft klare, helle Strenge, überrascht Konsequenz am Detail. Die Jury attestiert einen gekonnten und gelungenen Mix aus alten, erhaltenen und neu eingefügten Gebäudeteilen Der Schule gelingt damit eine interessante Verbindung zwischen industriellem Aufbruch Mitte des 19. Jahrhunderts und den Anforderungen an ein modernes Gymnasium.

Standort
Bahnhofstraße 27/28, Barleben – Öffnen mit Google Maps

Bauherr/in
Ecole Stiftung, Barleben

Architekten
STEINBLOCK architekten Rau. Steinblock. Tietze. Tietze, Magdeburg

Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2013, Engere Wahl

Fertigstellung
2011

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