Textilmanufaktur, Umbau und Erweiterung, Halle (Saale)
Fotos: Steffen Spitzner
Halle wächst und dürstet: nach hochwertigem und coolem Wohnraum. Wie zum Beispiel jenem in einem ehemaligen, auf einem zweiten Hinterhof versteckten Fabrikgebäude im Norden Halles. Die neuen 15 Eigentumswohnungen im begehrten, unkonventionellen Industrie- Loft-Stil leben von der baulichen Geschichte der bis 2014 hier ansässigen Staatlichen Textil- und Gobelinmanufaktur Halle (Saale), ihr Metier: von Hand gewebte Teppiche und die Restaurierung wertvoller Stoffe – jedes Stück ein Unikat. In dieser Tradition, nach „Stich und Faden“ authentisch und einzigartig zu sein, haben Architekten und Bauherr den Umbau und die Erweiterung des Gebäudes verstanden.
So ist die Fassade aus wertigem roten Ziegelmauerwerk sowie den schönen Segmentbogen und großen Werkstattfenstern weitgehend erhalten geblieben. Es wurde jedoch schlau um einen weiteren Werkstoff, nämlich Holz, ergänzt. Vertikale Lärchenholzlatten umkleiden die markanten neuen Hinzufügungen wie die Attika, die wohlgesetzten, weit ausladenden Balkons – und die spektakulären Dachaufbauten: hohe, übereinandergestapelte „coole Kuben“ mit riesigen, zum offenen Hof orientierten Panoramafenstern. Unverkennbar holen die Architekten damit das alte Haus ins Heute und erweitern zudem die zuvor vorhandenen 1.500 Quadratmeter Nutzfläche um ein weiteres Drittel. Im Hausinnern galt es, die auf den vier Etagen in Linie angeordneten Werkstatträume mit ihrer geringen Erschließungstiefe optimal auszunutzen. Der Charme und die räumliche Weite des Vorgefundenen konnten durch offene Grundrissgestaltungen erhalten bleiben, moderne Küchen und Bäder wurden in eingestellten, teilverglasten Blöcken untergebracht. Oben profitieren die exklusiven Maisonette-Wohnungen wie „schwebende Eigenheime“ mit ihren zugehörigen großen Terrassen vom weiten Blick über die Dächer Halles. Unten hat eine Kunstgalerie Domizil bezogen, ein Kulturbaustein, der wie das ganze Vorhaben zum neuen Selbstverständnis eines selbstbewussten und neuen urbanen Quartiers bestens passt.
Die Jury war angetan und überzeugt: „Was zunächst wie ein Ende aussah, gestaltete sich zu einem preiswürdigen Neuanfang für ein in die Jahre gekommenes, ehrwürdiges Haus: transformiert in die Anforderungen der Gegenwart, für weitere 100 Jahre zum Nutzen der Menschen.“
Text: Cornelia Heller, 2020
Standort
Martha-Brautzsch-Straße 12/13, Halle (Saale) - Öffnen mit Google Maps
Bauherr/in
Fokus Immobilien GmbH, Lindau (Bodensee)
Architekten
snarq architekten, Halle (Saale)
Preise
Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2019, Auszeichnung; Hannes-Meyer-Preis 2018
Fertigstellung
2018
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